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Photobiomodulation: Ins Bett mit infrarotem Licht

Ein Bett, das den gesamten Körper in tiefrotes Licht taucht, riesige LED-Panels und exakt definierte Wellenlängen: Photobiomodulation gehört zu den Technologien, die zunehmend in Longevity-Kliniken und High-End-Wellnessresorts angeboten werden. Rotes und nahinfrarotes Licht soll dabei nicht einfach wärmen, sondern biologische Prozesse in den Zellen beeinflussen. Doch was passiert während einer solchen Anwendung – und welche Longevity-Versprechen sind wissenschaftlich belegt?

Man liegt in einem futuristisch anmutenden Lichtbett oder steht zwischen großflächigen LED-Panels. Für einige Minuten wird der Körper intensivem roten und teilweise für das menschliche Auge kaum sichtbarem nahinfrarotem Licht ausgesetzt. Die Behandlung ist schmerzfrei, auch starke Hitze entwickelt sich nicht.

Mit der klassischen Rotlichtlampe von früher hat das nur bedingt zu tun. Moderne Photobiomodulation, kurz PBM, arbeitet mit gezielt ausgewählten Wellenlängen und Lichtdosen und soll ihre Wirkung nicht primär über Wärme entfalten.

Was passiert bei der Photobiomodulation?

Bei der PBM kommen vor allem rotes und nahinfrarotes Licht zum Einsatz. In der Forschung werden häufig Wellenlängen ungefähr zwischen 600 und 1.100 Nanometern untersucht. Rotes Licht dringt weniger tief ins Gewebe ein, Nahinfrarot kann tiefer liegende Strukturen erreichen.

Spannend wird es auf Zellebene. Bestimmte Moleküle können Licht absorbieren und dadurch biologische Reaktionen auslösen. Besonders intensiv untersucht werden dabei die Mitochondrien, die Kraftwerke der Zellen.

Eine zentrale Rolle scheint das Enzym Cytochrom-c-Oxidase zu spielen. Die Aufnahme bestimmter Lichtwellen kann Prozesse beeinflussen, welche mit der Bildung des Energieträgers ATP und verschiedenen zellulären Signalwegen zusammenhängen. Vereinfacht gesagt: Licht wird zum biologischen Reiz.

Das erklärt auch, warum bei der PBM nicht automatisch „viel hilft viel“ gilt. Wellenlänge, Intensität, Bestrahlungsdauer und Abstand zur Lichtquelle bestimmen die Dosis. Unterschiedliche Geräte und Behandlungsprotokolle können deshalb nicht generalisiert werden.

Von Muskelregeneration bis Hautgesundheit

Photobiomodulation ist keineswegs nur eine Erfindung der Longevity-Branche. Lichttherapien dieser Art werden seit Jahren medizinisch erforscht. Untersuchungen beschäftigen sich unter anderem mit Muskelregeneration, Schmerzen und Entzündungsprozessen, Wundheilung oder bestimmten dermatologischen Anwendungen.

Interessant für Longevity-Anbieter ist vor allem die Ganzkörper-Photobiomodulation. Statt eine einzelne Körperregion zu behandeln, wird ein großer Teil des Körpers bestrahlt.

Doch für diese spektakulärste Variante ist die Studienlage bislang vergleichsweise überschaubar. Eine systematische Übersichtsarbeit von 2025 fand Hinweise auf Verbesserungen der subjektiven Schlafqualität, jedoch keine eindeutigen Effekte auf sportliche Leistungsfähigkeit oder untersuchte Regenerationsmarker. Insgesamt standen lediglich fünf Studien mit 105 Teilnehmern zur Verfügung.

Ein wissenschaftlich belegter Anti-Aging-Effekt lässt sich daraus nicht ableiten. Photobiomodulation ist deshalb ein interessantes Beispiel dafür, wie eine medizinisch erforschte Technologie in der Longevity-Welt neue Einsatzgebiete bekommt – teilweise schneller, als die Forschung eindeutige Antworten liefern kann.

Wie fühlt sich eine Anwendung an?

Eine Ganzkörper-Sitzung kann je nach System ungefähr zehn bis 20 Minuten dauern. Man trägt dabei meist wenig Kleidung, damit das Licht möglichst viel Haut erreicht. Je nach Gerät und Hersteller kann ein Augenschutz vorgesehen sein. Das intensive rote Licht wirkt spektakulär, die Behandlung selbst ist dagegen unspektakulär: liegen oder stehen und warten. Inzwischen braucht man dafür nicht mehr unbedingt eine spezialisierte Praxis aufzusuchen. Die Technologie erreicht zunehmend internationale Longevity-Kliniken und Luxusresorts.

SHA Wellness Clinic: Licht als Teil der Longevity-Medizin

In der SHA Wellness Clinic an der spanischen Mittelmeerküste gehört die Photobiomodulation zum Advanced Longevity Program. Bei einer Hightech-Anwendung kann unter anderem zwischen Red-Light-Photobiomodulation und hyperbarer Sauerstofftherapie gewählt werden.

Das Programm kombiniert moderne Diagnostik und unterschiedliche Behandlungen mit Ernährung, Bewegung und Healthy-Aging-Konzepten. Damit wird die PBM hier nicht als einzelne Spa-Anwendung angeboten, sondern in ein umfassenderes medizinisches Longevity-Programm integriert.

https://shawellness.com/en

Krallerhof: 15 Minuten Rotlicht in den Alpen

Auch im österreichischen Fünf-Sterne-Hotel Krallerhof in Leogang ist die Technologie angekommen. In der Longevity Lounge werden Rotlichttherapie, Kryotherapie und IHHT (Intervall-Hypoxie-Hyperoxie-Therapie) angeboten. Eine 15-minütige Rotlichtanwendung kostet derzeit 45 Euro. Wer mehrere Regenerationstechnologien kombinieren will, findet sie im viertägigen Longevity Reset: Dazu gehören unter anderem jeweils drei Sitzungen Rotlicht, IHHT und Kryotherapie sowie Lymphdrainage. Das Arrangement wird ab 1.715 Euro pro Person angeboten.

https://www.krallerhof.com/de

Camiral: PBM als Hightech-Wellness

Wie selbstverständlich moderne Lichttherapie inzwischen in klassische Luxusresorts einzieht, zeigt Camiral nahe Girona in Spanien. Das Resort bietet 2026 Longevity & Vitality Programme, bei dem Gäste unter anderem die Photobiomodulation als Hightech-Anwendung auswählen können. Kombinationen sind beispielsweise mit Kryotherapie, Sauerstoffkammer oder Pressotherapie möglich. Das eintägige Programm kostet aktuell 314 Euro pro Person, darüber hinaus gibt es mehrtägige Programme mit Aufenthalt.

https://www.camiral.com/en

Damit wird aus dem roten Licht, das viele noch mit einer simplen Wärmelampe verbinden, eine Technologie für den modernen Gesundheitstourismus: präziser, datenorientierter und erheblich futuristischer – aber bei den großen Longevity-Versprechen bleiben wissenschaftlich noch Fragen offen.

Text: Redaktion
Bilder: KI generiert