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Neurofeedback und Longevity: Kann das Gehirn lernen, besser zu altern?

Konzentrationsfähigkeit, Stressregulation und mentale Belastbarkeit langfristig erhalten? Muskeln lassen sich trainieren, Ausdauer und Beweglichkeit ebenfalls. Aber lässt sich auch das Gehirn gezielt trainieren? Neurofeedback soll helfen, die eigene Hirnaktivität besser zu regulieren. Die Methode arbeitet mit EEG-Messungen und unmittelbarer Rückmeldung und wird zunehmend für Konzentration, mentale Leistungsfähigkeit und Brain Health interessant. Was passiert bei einer Sitzung – und welche Rolle kann Neurofeedback im Bereich Longevity spielen? Ist es vielleicht sogar der neue Anti-Aging-Wunderknopf fürs Gehirn?

Ein bequemer Sessel, kleine Elektroden am Kopf und vor den Augen ein Bildschirm. Darauf läuft ein Film, doch plötzlich wird das Bild dunkler. Wenige Augenblicke später erscheint es wieder klar und hell. Eine Fernbedienung ist nicht im Spiel: Was sich auf dem Bildschirm verändert, hängt von der Hirnaktivität des Menschen, der davor sitzt, ab.

Was zunächst futuristisch klingt, ist das Grundprinzip von Neurofeedback. Die Methode macht bestimmte Muster der Gehirnaktivität nahezu in Echtzeit sichtbar oder hörbar und gibt dem Gehirn eine Rückmeldung über sich selbst. Das Ziel: Es soll mit der Zeit lernen, bestimmte Aktivitätszustände gezielter zu erreichen und zu stabilisieren.

Neu ist das Verfahren nicht. Neurofeedback wird seit Jahrzehnten wissenschaftlich untersucht und unter anderem bei neurologischen und psychischen Fragestellungen eingesetzt. Neu ist vielmehr das thematische Umfeld, in dem es zunehmend auftaucht: Brain Health, Cognitive Performance und der möglichst lange Erhalt geistiger Leistungsfähigkeit rücken in der Longevity-Welt stärker in den Mittelpunkt.

Was genau ist Neurofeedback?

Neurofeedback ist eine spezielle Form des Biofeedbacks. Während beim klassischen Biofeedback beispielsweise Herzschlag, Atmung oder Muskelspannung gemessen werden, geht es beim Neurofeedback um die Aktivität des Gehirns.

Am häufigsten geschieht das mithilfe eines Elektroenzephalogramms, kurz EEG. Kleine Elektroden werden dafür an bestimmten Stellen der Kopfhaut befestigt. Sie messen winzige elektrische Spannungsschwankungen, die durch die gemeinsame Aktivität großer Nervenzellverbände entstehen.

Wichtig dabei: Die Elektroden messen lediglich. Beim klassischen EEG-Neurofeedback wird kein Strom in das Gehirn geleitet. Das Verfahren ist deshalb nicht mit Methoden der elektrischen oder magnetischen Hirnstimulation zu verwechseln.

Die gemessenen EEG-Signale werden von einer Software ausgewertet. Je nach Trainingsziel können bestimmte Aktivitätsmuster ausgewählt werden, die anschließend in eine leicht verständliche Rückmeldung übersetzt werden: ein Bild wird heller, eine Animation bewegt sich weiter, Musik erklingt oder ein Film läuft störungsfrei. Das Gehirn erhält damit unmittelbar eine Information darüber, was es gerade tut.

Muss man dabei meditieren?

Nicht unbedingt. Und genau das macht Neurofeedback anschaulicher, als der Begriff zunächst vermuten lässt.

Normalerweise sitzt man während einer solchen Messung. Nach dem Anbringen der Elektroden schaut der Teilnehmer beispielsweise auf einen Bildschirm oder hört über Kopfhörer akustische Signale. Er muss dabei nicht bewusst herausfinden, welche Gehirnwelle er verändern soll. Vielmehr versucht das Gehirn durch wiederholte Rückmeldung nach und nach zu lernen, welche Zustände zum gewünschten Feedback führen.

Das Prinzip ähnelt einem Lernprozess: Funktioniert etwas, folgt unmittelbar eine positive Rückmeldung. In der Lernpsychologie wird dieser Mechanismus als operante Konditionierung bezeichnet.

Je nach Verfahren können Konzentrationsaufgaben Bestandteil des Trainings sein. Andere Anwendungen setzen stärker auf Entspannung oder werden mit Meditation kombiniert. Einfach auf einer Liege einzuschlafen, entspricht dagegen nicht dem typischen Neurofeedback-Training: Die aktive Rückmeldung und der Lernprozess sind wesentliche Bestandteile der Methode.

Eine Sitzung dauert je nach System und Ziel häufig etwa 30 bis 60 Minuten. Ein einmaliger Termin ist allerdings noch kein Gehirntraining. Viele Neurofeedback-Protokolle arbeiten mit mehreren Sitzungen über Wochen hinweg.

Alpha, Beta, Theta: Was wird im Gehirn gemessen?

Das EEG zeichnet elektrische Aktivität auf, die sich unter anderem nach ihrer Frequenz unterscheiden lässt. Bekannt sind Begriffe wie Alpha-, Beta-, Theta- oder Delta-Aktivität. Unterschiedliche Frequenzbereiche treten in unterschiedlichen Zuständen verstärkt auf.

Alpha-Aktivität wird beispielsweise häufig mit entspannter Wachheit in Verbindung gebracht, während bestimmte Beta-Aktivitäten bei Aufmerksamkeit und aktiver Informationsverarbeitung eine Rolle spielen. Theta-Aktivität wiederum steht unter anderem mit Lern- und Gedächtnisprozessen in Zusammenhang.

Ganz so einfach wie „mehr Alpha bedeutet mehr Entspannung“ funktioniert das Gehirn allerdings nicht. Entscheidend sind unter anderem Messort, Aufgabe, individuelle Ausgangssituation und das Verhältnis verschiedener Aktivitätsmuster zueinander.

Ein Neurofeedback-System liest deshalb auch keine Gedanken. Es erkennt weder Erinnerungen noch Gefühle. Gemessen werden elektrische Aktivitätsmuster an der Kopfhaut, aus denen bestimmte neurophysiologische Parameter abgeleitet werden.

Warum Neurofeedback für Longevity interessant ist

Lange konzentrierte sich die öffentliche Longevity-Debatte vor allem auf den Körper: Stoffwechsel, Herz-Kreislauf-System, Muskelmasse, Ernährung und körperliche Leistungsfähigkeit. Inzwischen rückt eine andere Frage stärker in den Vordergrund: Wie lässt sich die geistige Leistungsfähigkeit möglichst lange erhalten?

Dafür hat sich der Begriff Cognitive Longevity etabliert. Gemeint ist der möglichst lange Erhalt von Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Lernfähigkeit und anderen kognitiven Funktionen.

Neurofeedback passt auf den ersten Blick gut in diese Entwicklung. Es ist nicht invasiv, lässt sich individuell anpassen und zielt nicht darauf ab, dem Gehirn von außen einen bestimmten Zustand aufzuzwingen. Stattdessen soll die Fähigkeit zur Selbstregulation trainiert werden.

Für Menschen im mittleren Lebensalter ist dabei weniger die Aussicht auf maximale geistige Höchstleistung interessant als die Frage, wie Konzentrationsfähigkeit, Stressregulation und mentale Belastbarkeit langfristig erhalten werden können.

Genau an diesem Punkt beginnt allerdings auch die Grenze zwischen einem interessanten Trainingsansatz und einem bislang nicht belegten Longevity-Versprechen.

Was die Wissenschaft bisher weiß

Neurofeedback gehört zu den Verfahren, bei denen die wissenschaftliche Bewertung stark davon abhängt, was genau trainiert werden soll. Unterschiedliche EEG-Protokolle, Trainingsziele und Studienmethoden erschweren pauschale Aussagen.

Bei gesunden Erwachsenen liefern Untersuchungen Hinweise darauf, dass bestimmte Neurofeedback-Protokolle einzelne kognitive Funktionen beeinflussen können. Eine Meta-Analyse kontrollierter Studien fand beispielsweise einen kleinen positiven Effekt auf das episodische Gedächtnis. Durch Neurofeedback besser schlafen? Noch ist kein zusätzlicher Nutzen für subjektive Schlafqualität oder Insomnie nachweisbar.

Auch für die besonders attraktive Vorstellung, Neurofeedback könne das Gehirn vor altersbedingtem Abbau schützen oder dessen biologisches Altern verlangsamen, gibt es bislang keinen belastbaren Beweis. Erste Untersuchungen bei älteren Menschen und Patienten mit leichten kognitiven Einschränkungen sind interessant, reichen aber nicht aus, um daraus einen Anti-Aging-Effekt abzuleiten.

Vom EEG-Labor zum Longevity-Angebot

Trotz der noch offenen Fragen besitzt Neurofeedback Eigenschaften, welche die Methode für moderne Gesundheitskonzepte interessant machen. Die Anwendung ist nicht invasiv, unmittelbar erlebbar und liefert etwas, das im Bereich der personalisierten Prävention zunehmend gefragt ist: messbare Daten.

Statt ausschließlich subjektiv zu beurteilen, ob ein Mensch entspannt oder konzentriert ist, wird seine Gehirnaktivität während des Trainings aufgezeichnet. Das macht Neurofeedback zugleich zu einem anschaulichen Beispiel dafür, wie sich moderne Longevity-Angebote verändern.

Nach Blutwerten, Körperscans, Schlafanalysen und Fitnessdiagnostik erreicht die Vermessung damit einen weiteren Bereich: das Gehirn.

Ob daraus tatsächlich ein Instrument für längere geistige Gesundheit wird, muss die Forschung noch zeigen. Als Trainingsmethode an der Schnittstelle von Neurowissenschaft, mentaler Leistungsfähigkeit und personalisierter Prävention ist Neurofeedback jedoch längst aus dem Forschungslabor herausgetreten.

Neurofeedback als Pionierangebot

Noch gehört echtes EEG-Neurofeedback in europäischen Longevity-Häusern zu den Pionierangeboten. Während Brain Health und mentale Leistungsfähigkeit längst in vielen Gesundheitsprogrammen angekommen sind, lässt sich ein Training mit tatsächlich gemessener und unmittelbar zurückgespiegelter Gehirnaktivität bislang nur bei wenigen hochwertigen Anbietern eindeutig finden. Wer es ausprobiert, gehört deshalb zu den Gästen der ersten Stunde.

Nescens, Genfersee: Neurofeedback auf der Longevity-Reise

Bei Nescens Switzerland in Genolier am Genfersee gehört Neurofeedback zu einem dreitägigen Longevity-Programm. Neben präventiver Gesundheitsberatung, Bewegung, Yoga und verschiedenen modernen Regenerationsanwendungen steht am letzten Tag Neurofeedback auf dem Programm. Dabei wird die elektrische Gehirnaktivität gemessen und analysiert. Ziel des Angebots sind unter anderem mentale Leistungsfähigkeit und Stressregulation. Übernachtet wird in einer Junior Suite mit Seeblick, auch die Mahlzeiten sind Teil des Arrangements – Neurofeedback wird hier also nicht als isolierte Behandlung, sondern eingebettet in einen kurzen Longevity-Aufenthalt angeboten.

https://www.nescens.com/en-ch/products/longevity-program

Longevity Center Vienna: Erst das Gehirn vermessen, dann trainieren

Deutlich intensiver geht das Longevity Center Vienna in Wien vor. Angeboten wird ILF-Neurofeedback, bei dem die Hirnaktivität über Elektroden gemessen und in Echtzeit zurückgemeldet wird. Eine Sitzung dauert etwa 45 bis 60 Minuten; das Zentrum empfiehlt für ein regelmäßiges Training mindestens zehn Termine. Wer tiefer einsteigen will, kann zuvor ein QEEG-Brainmapping mit ERP-Messung durchführen lassen. Auf Grundlage dieser Analyse wird das Neurofeedback individuell angepasst. Eine Einzelsitzung kostet 350 Euro, fünf Sitzungen 1.500 Euro und zehn Sitzungen 3.000 Euro. Die umfangreiche Brain Functional Analysis mit QEEG und ERP kostet 2.000 Euro.

https://longevity-wien.at/pages/neurofeedback-wien

ZEM Wellness Clinic Altea: Sieben Tage für Brain Health

An der spanischen Costa Blanca integriert die ZEM Wellness Clinic Altea Neurofeedback in ihr mehrtägiges Programm „Neuro Balance“. Hier geht es nicht allein um das Training am Bildschirm: Neurofeedback wird mit Schlafoptimierung, Untersuchungen der Stressphysiologie, mentalem Training und weiteren medizinischen und Wellness-Anwendungen kombiniert. Das siebentägige Programm umfasst unter anderem neurokognitive Untersuchungen und personalisierte Neurotherapie und richtet sich besonders an Menschen, die mentale Klarheit, emotionale Balance und kognitive Leistungsfähigkeit verbessern wollen. Neuro Balance startet bei 6.000 Euro.

https://zemaltea.com/de

Text: Redaktion
Fotos: KI generiert