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Astro-Tourismus: Die Magie sternenklarer Nächte

Astro-Tourismus ist zu einem bedeutenden Reisetrend im Luxussegment geworden. Die Faszination des Sterneguckens kennt keine Grenzen. Weltweit gibt es zahlreiche Hotspots für alle, die mit oder ohne technische Hilfsmittel ins nächtliche Firmament schauen wollen.

Die Milchstraße, so dicht und hell, dass sie beinahe erdrückt. Der Nachthimmel dadurch noch schwärzer als jemals zuvor. Unendlichkeit. Emotional ergreifend. Packend. Sie lässt alles andere verschwinden, in die Unscheinbarkeit abgleiten. Auch den Betrachter. Der nach oben starrt, fasziniert staunend. Bei diesem Anblick spürt man die eigene Bedeutungslosigkeit mit gnadenloser Wucht. An magischen Orten, die es zum Glück auf dieser Welt noch gibt. Ohne Lichtverschmutzung. Fernab aller Städte. Einsam in der Natur. Die Namib ist so ein Ort, an dem sich nachts die Sterne wie eine Decke über alles legen. Die größte Wüste Namibias ist ein absoluter Hotspot für Sternegucker.

Bei Reisen im Luxussegment ist das einstige Nischenthema Astro-Tourismus ebenfalls sehr gefragt, wie Airtours, der Luxusreiseveranstalter der TUI bestätigt. Im südlichen Afrika reicht schon das bloße Auge, Lodges und Camps bieten oft sogar eigene Teleskope, um das Kreuz des Südens aus der Nähe funkeln zu sehen.

Der Kick: Mit einer Bettrolle und Schlafsack die Nacht draußen verbringen. Denn das Star-Bathing oder Japanisch Hoshi Yoku, das Sternbaden, hat sich ebenfalls etabliert. Was als Wellness für Menschen mit Schlafproblemen begann, wird heute vielerorts angeboten. Die nächtliche Natur wirkt positiv auf die Melatoninproduktion und damit auf gesunden Schlaf. Doch Sternbaden ist mehr, als draußen zu übernachten. Es ist ein ganzheitliches Erlebnis für Geist, Körper und Seele. Vor allem, wenn es mit Meditationsübungen kombiniert wird, so dass sich ein tiefes Gefühl von Ruhe und Harmonie mit dem Universum einstellen kann. Das Licht der Sterne dient dabei als natürliche Heilmethode gegen Stress und Angst.

Hotspots fürs Sternegucken sind auch die Malediven, denn weit draußen im Indischen Ozean sind kaum künstliche Lichtquellen vorhanden. Ein besonderes Erlebnis ist, wenn sich Sterne und Mond auf der Wasseroberfläche spiegeln und die schneeweißen Strände in ein silbriges Licht tauchen. Doch auch die Karibik punktet beim Stargazing: Arubas Eagle Beach, der zu den schönsten Stränden der Welt zählt, liegt mittlerweile als Ort zum Sternegucken ganz vorn. Wer nicht im feinen Sand sitzen will, um in den Nachthimmel zu schauen, fährt am besten zum Noordkap, dem sogenannten Stargazing-Cliff. Oder ins White Knight Observatory – an den Wochenenden werden Führungen angeboten.

Die Vereinigten Arabischen Emirate locken ebenfalls mit faszinierenden nächtlichen Kulissen. Vor allem die Dünenlandschaften der Wüste sind rund um die Uhr ein beeindruckendes Panorama. Ob bei Sonnenauf- oder -untergang: Der goldgelb-rötliche Schimmer, die weichen Linien und schwarzen Schattenflächen erschaffen immer wieder ein neues Bild. Das Anantara Desert Resort Qasr Al Sarab in Abu Dhabi ist spezialisiert auf Luxus-Wüstenerlebnisse. Es liegt in der Rub al Khali, der größten Sandwüste der Erde, die das südliche Drittel der Arabischen Halbinsel bedeckt. Als Extra zum Aufenthalt im Resort gibt es Übernachtungen im klassischen Beduinen-Camp mit allem erdenklichen Komfort.

Der absolute Hotspot für Himmelsbeobachtungen aller Art im europäischen Winter ist die Arktis. Spitzbergen in völliger Dunkelheit rund um die Uhr zu erleben, ist pure Magie. Während Kreuzfahrten nur im Sommer möglich sind, wenn die Fjorde und das Nordpolarmeer weitgehend eisfrei sind, legt sich im Winter eine besondere Ruhe über das Land. Am Himmel aber beginnt das Spektakel: Polarlichter, so hell, bunt und bizarr geformt über das Firmament wabernd, dass sie die Sterne beinahe bedeutungslos blass erscheinen lassen.

Welche Faktoren sind entscheidend?

Orte werden nach verschiedenen Kriterien bewertet, wie beispielsweise die Chance auf Polarlichter, Lichtverschmutzung und wolkenfreie Sicht. Zu der Touristik-Sparte des Astro-Tourismus gehören auch astronomische Besonderheiten, bestimmte Zeitpunkte und regionale Möglichkeiten. Skandinavien ist für die Sichtung der Aurora Borealis prädestiniert, das Kreuz des Südens leuchtet über Afrika, alle anderen Sternbilder sind hervorragend in ganz Europa zu sehen. Deutschland bietet mit dem Sternenpark Eifel, Rhön, Brandenburgs Sternenpark Westhavelland sowie den Inseln Pellworm und Spiekeroog ideale Orte zum Sternegucken. Letztere wurden 2018 von der Organisation Dark Sky Association als zertifizierter Nachthimmel ausgezeichnet. In Westhavelland gibt es regelmäßige Veranstaltungen, die Besuchern Konstellationen, Planetenbahnen, Meteoritenschauer und Milchstraße näher bringen.

Tipp: Auch Hobby-Astronomen können professionelle Technik nutzen. Teleskope sind mittlerweile intuitiv über eine App steuerbar und richten sich selbstständig auf Himmelsobjekte aus. Die Bilder in hoher Qualität werden auf Smartphones oder Tablets übertragen. Zum Teil filtern sie mit Deep Dark-Technologie die Lichtverschmutzung heraus.
Text: Daniela Kebel
Fotos: Adobe Stock